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Bericht aus der öffent­li­chen Gemein­de­rats­sit­zung vom 21. Mai 2026

Präventionsnetzwerk „Chancenreiches Neckarsulm“ informiert über Kinderarmut und Präventionsarbeit vor Ort

In der öffent­li­chen Gemein­de­rats­sit­zung am 21. Mai 2026 stellte das Präven­ti­ons­netz­werk „Chancen­rei­ches Neckar­sulm“ seine Arbeit sowie aktuelle Entwick­lun­gen zum Thema Kinder­ar­mut vor.

Armut bedeu­tet in Deutsch­land meist relative Armut. Als armuts­ge­fähr­det gelten Menschen mit einem Einkom­men unter­halb von 60 Prozent des mittle­ren Einkom­mens. Im Jahr 2024 lag diese Grenze für eine allein­ste­hende Person bei 1.381 Euro netto im Monat, für eine vierköp­fige Familie mit zwei Kindern bei rund 2.900 Euro.

Kinder­ar­mut bleibt auch in Baden-Württem­berg ein bedeu­ten­des gesell­schaft­li­ches Thema. Fast jedes fünfte Kind in Deutsch­land ist von Armut betrof­fen oder bedroht. In Baden-Württem­berg betrifft dies 17,4 Prozent der Kinder und Jugend­li­chen – das entspricht rund 370.000 jungen Menschen (Deutsch­land: 19,8 Prozent). Eine aktuelle UNICEF-Studie zeigt zudem: Deutsch­land liegt beim Wohlbe­fin­den von Kindern nur auf Platz 25 von 37 unter­such­ten Ländern. Beson­ders auffäl­lig sind stagnie­rende Entwick­lun­gen bei der Kinder­ar­mut sowie schwä­chere Bildungs­er­geb­nisse. Nur etwa 60 Prozent der 15-Jähri­gen errei­chen die Mindest­kom­pe­ten­zen in Lesen und Mathe­ma­tik.

Kinder­ar­mut bedeu­tet weit mehr als fehlen­des Einkom­men. Sie wirkt sich auf nahezu alle Lebens­be­rei­che aus – etwa auf Ernäh­rung, Wohnen, Bildung, Gesund­heit, Freizeit­ge­stal­tung und soziale Teilhabe. Häufig bedeu­tet Armut auch, nicht mitma­chen zu können: Klassen­fahr­ten, Vereins­an­ge­bote oder Kinder­ge­burts­tage sind für viele Familien schwer finan­zier­bar. Fast die Hälfte der betrof­fe­nen Kinder erhält kein Taschen­geld, viele Familien können sich keine gemein­same Urlaubs­reise leisten. Kinder laden selte­ner Freunde nach Hause ein und erleben soziale Ausgren­zung.

Beson­ders gefähr­det sind Ein-Eltern-Familien, Mehrkind­fa­mi­lien sowie Familien mit Migra­ti­ons­ge­schichte. Dabei wurde deutlich betont: Migra­tion allein ist kein Armuts­trei­ber. Entschei­dend sind Fakto­ren wie erschwer­ter Zugang zum Arbeits­markt, sprach­li­che Barrie­ren, gerin­gere Bildungs­ab­schlüsse oder die einge­schränkte Anerken­nung von Quali­fi­ka­tio­nen. In Neckar­sulm haben rund 44 Prozent der Einwoh­ne­rin­nen und Einwoh­ner einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund, bei Kindern und Jugend­li­chen unter 18 Jahren liegt der Anteil bei etwa 67 Prozent (Erhebung Integra­ti­ons­be­auf­tragte Stadt Neckar­sulm 2024).

Das Präven­ti­ons­netz­werk „Chancen­rei­ches Neckar­sulm“ besteht seit 2021 im Rahmen der Landes­stra­te­gie „Starke Kinder – chancen­reich“ des Sozial­mi­nis­te­ri­ums Baden-Württem­berg. Gemein­sam mit knapp 50 Akteu­rin­nen und Akteu­ren aus Verwal­tung, Schulen, Kinder­ta­ges­ein­rich­tun­gen, sozia­len Diens­ten, Verei­nen und weite­ren Insti­tu­tio­nen arbei­tet das Netzwerk daran, Kindern und Jugend­li­chen chancen­glei­ches Aufwach­sen zu ermög­li­chen. Koordi­niert wird das Netzwerk gemein­sam von der Caritas Heilbronn-Hohen­lohe in enger Zusam­men­ar­beit mit der Stadt Neckar­sulm.

In den vergan­ge­nen Jahren konnten bereits zahlrei­che Maßnah­men umgesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Fachkräf­te­be­fra­gun­gen, das „Pünkt­chen-Café“ als Begeg­nungs­an­ge­bot für Eltern mit kleinen Kindern, Obst- und Gemüse­kis­ten an Schulen, das Projekt „Sicher unter­wegs mit Bus und Bahn“, sozial­päd­ago­gi­sche Gruppen­an­ge­bote an der Neuberg-Grund­schule sowie Unter­richts­ein­hei­ten und Materia­lien zum Thema Armut, welches sich an Schul­klas­sen richtet.

Auch künftig sollen weitere Projekte folgen. Gestar­tet sind inzwi­schen die Baby-Willkom­mens­be­su­che durch eine pädago­gi­sche Fachkraft, im Entste­hen ist der Ausbau einer digita­len Übersicht über Angebote in Neckar­sulm, Betei­li­gungs­for­mate für Kinder und Jugend­li­che sowie weitere Sensi­bi­li­sie­rungs- und Präven­ti­ons­an­ge­bote an Schulen und Einrich­tun­gen. Darüber hinaus engagiert sich das Netzwerk verstärkt in der Öffent­lich­keits­ar­beit, um das Thema Kinder­ar­mut sicht­bar zu machen und für armuts­sen­si­bles Handeln zu sensi­bi­li­sie­ren.

Das Präven­ti­ons­netz­werk leistet damit einen wichti­gen Beitrag für soziale Teilhabe, Bildungs­ge­rech­tig­keit und ein gelin­gen­des Aufwach­sen in Neckar­sulm. Frühzei­tige Unter­stüt­zung stärkt Kinder und Familien nachhal­tig, beugt Ausgren­zung vor und trägt langfris­tig auch zur Entlas­tung sozia­ler Systeme bei. Gleich­zei­tig ermög­licht die enge Zusam­men­ar­beit der verschie­de­nen Akteu­rin­nen und Akteure eine bessere Abstim­mung bestehen­der Angebote und den geziel­ten Einsatz vorhan­de­ner Ressour­cen.

Das Projekt wird durch das Sozial­mi­nis­te­rium Baden-Württem­berg im Rahmen der Landes­stra­te­gie „Starke Kinder – chancen­reich“ geför­dert. Ergän­zend stellt die Stadt Neckar­sulm Mittel aus dem Budget des Amts für Bildung und Sozia­les bereit.

Armut ist oft mit Scham verbun­den und bleibt im Alltag häufig unsicht­bar. Umso wichti­ger ist ein achtsa­mer Blick fürein­an­der und das Bewusst­sein dafür, dass nicht alle Menschen automa­tisch die gleichen Voraus­set­zun­gen und Möglich­kei­ten im Leben haben. Eine solida­ri­sche Stadt­ge­sell­schaft beginnt dort, wo Menschen gesehen, verstan­den und unter­stützt werden.

Weitere Infor­ma­tio­nen:
Netzwerk­ko­or­di­na­tion Miriam Beyer
Mobil: 0176 189 80 761
E‑Mail: beyer.m@caritas-dicvrs.de
E‑Mail: chancenreiches-neckarsulm@caritas-dicvrs.de
Insta­gram: @chancenreichesneckarsulm

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